29.10.03 - Nepal

Hallo Ihr Lieben!

Erstmal herzliche Geburtstagsgrüße an Birgit, Willi, Kerstin und Werner. Ich hoffe ihr habt alle ordentlich gefeiert, schließlich habe ich auch fest an euch gedacht.

Dann begrüße ich ganz herzlich Tobias auf unserem Planeten und freue mich schon darauf, ob es im November auch wieder eine Geburt gibt, das wäre ne Überraschung.

Ich hoffe, ich habe nun nichts wichtiges vergessen.

Zu meinem kleinen Wanderausflug. Ich war nun 22 Tage hinterm Himalaja auf der Suche nach dem Yeti und kann nun zwar nepalesisch reden aber den Yeti gibt es einfach nicht vor die Kamera.

Nun aber im einzelnen. ich schreibe besser alles klein, weil die Großtaste klemmt.

ich bin am 5.10. mit einem öffentlichen Bus nach Besisahar gefahren, dass heißt 8 stunden ne eingeklemmte Kniescheibe, weil ich das nepalesische masssystem überschreite. dafür haben wir in ner leckeren Spelunke am Strassenrand mittaggegessen und da war dann die Küche nem dem Klo und der Abwasserkanal lief an der spüle vorbei. für Europäer immer etwas grenzwärtig, aber wenn man mit dem rücken zum geschehen sitzt, kann man trotzdem essen. schließlich hatte ich Hunger (ma lai pok lagio, sagt da dann der nepali). aber das essen war lecker und billig und blieb auch im Magen, obwohl ich im Bus immer wieder 10 Zentimeter vom sitz abhob, als die Räder im Schlagloch versanken. meinem Vordermann bekam die fahrt weniger gut, worauf er im hohen bogen aus dem Bus kotzte, dann war aber bis zum ende der fahrt ruhe.

unterwegs sammelt so ein öffentlicher Bus dann die Öffentlichkeit ein und man glaubt ja gar nicht was in so einen Bus passt und wenn der mal voll ist, dann sitzt man auf dem Dach. als Tourist braucht man am Anfang des Treks auch immer sehr viel platzt, weil man so dicke Beine hat und dafür muss man sich immer etwas erkenntlich zeigen. meistens in dem man die Kinder der stehenden Leute auf den schoss nimmt. das hat mein Porterguide für mich übernommen und wir hatten dann einen Jungen auf dem schoss. ich war froh, dass der bei dipak sass, nicht wegen meinem eingeklemmten Kniescheiben, sondern wegen den Läusen auf dem Kopf. Toi toi toi, da sind sie auch geblieben, habe keine mitbekommen.

Beim ausstieg ging das 10 Minuten, bis sich die verkeilte menge entzerrt hatte und wir endlich frische Luft hatten. wandern musste ich dann nicht mehr an diesem Tag.

Die ersten drei Tage stiegen wir durch Regenwald auf mit feuchtheissem klima und sengender sonne. es wuchsen Bananen und Orangen, Reis und alles war intensiv grün. Wunderschön. am zweiten Tag hatte ich Flöhe, aber die Stiche heilen gerade alle ab. jeden Tag halt was anderes geboten.

durch den Monsun war hin und wieder die Brücke oder der Weg und dann musste man dann manchmal ganz schön durch die Pampe kriechen, bzw. ziemlich mutig sein um über die Notfallbrücken zu kommen. ab dem dritten Tag wurde es endlich kühler, man freute sich über frischen Wind und endlich war die Sicht auf die Siebentausender geboten. mit halber Nackenstarre und staunenden Augen schlich ich andächtig unter diesen Eiskolossen entlang und muss sagen, dass einen diese geballte Bergladung schon umhaut.

blauer Himmel, keine Wolke und funkelndes eis. die Tagestouren waren recht gut zu laufen und meistens waren wir gegen mittag auf unserer Lodge, lernten nepalesisch und deutsch und genossen die grandiose Sicht. jeden abend gab es leckeres Abendessen und um neun gings ins Bett, weil einen die viele frische Luft und das wandern schon manche Energie abverlangt.

nach einer Woche näherten wir uns dem Pass und es wurde richtig kalt nachts. habe dann schon die Mütze im Schlafsack aufgehabt und Fleecehose und Pulli getragen. aber mit ner Bettflasche (Siggflasche mit Heisswasser) wird einem richtig warm. die Lodgen waren immer voller und so kam es, dass wir einmal noch 200 Höhenmeter aufsteigen mussten, damit wir ein Bett bekamen. in der nacht des großen Passes, stiegen wir um 3 Uhr 30 aus dem Bett und machten uns im 4 Uhr 20 nach einer heißen Nudelsuppe zum Frühstück auf den weg. schwarze nacht und ein leuchtender Mond mit Millionen Sternen. genial. da läuft man gerne ohne Lampe und flüstert nur, weil alles so schön ist.

1000 Höhenmetern mussten wir rauf, von 4400 m auf 5400m. die Luft war saftig kalt und zum Glück ging kein Wind. 4 stunden haben wir gebraucht und dann will man nur noch heulen, wenn man dort oben steht, diese Höhe erreicht hat und mitten in der sonne steht. die letzte stunde vom aufstieg war schon hart und ich habe heftig schnaufen müssen und mich wirklich überwinden müssen einen Fuß vor den anderen zu setzen. aber wenn man mal den Pass sieht, dann zieht es einen magisch da rauf.

zusammen mit meinem buddhistischen Bergführer habe ich eine Gebetsfahne aufgehängt und dann haben wir uns an den abstieg gemacht. 1600 Höhenmeter bergab. damit war dann die letzte Energie dahin und die knie schlabberten müde am Bein herum.

wir setzten einen Tag aus, um uns zu erholen und machten Kulturbesuche in den Klöstern. für die nepalische Bevölkerung ist muktinath sehr wichtig. einmal im leben wollen sie alle hier gewesen sein und so war auch für uns der Besuch unabdingbar. dort gibt es drei Tempel und ein ewiges Feuer, dass dort verehrt wird.

muktinath ist das erste Dorf hinter dem Pass und sieht völlig anders aus. es gibt kein grün nur unendlich Steine und Felsen und alles sieht aus wie eine große Steinwüste. die Farben reichen von braun über rot bis ocker und gelb und schwarz. eine Landschaft, an der ich mich fast nicht satt sehen konnte.

leider ging es ab hier nur noch abwärts und die knie meldeten sich erneut. durch wunderschöne alte Dörfer kamen wir ins Hauptanbaugebiet für Äpfel was mit Apfelkuchen und apfelessen gefeiert wurde. der weiter Weg durchs kaligandakital war ein einziger Kampf gegen den Wind und den staub und manchmal ging das nur mit Hut tief in der Stirn und einem Tuch umgebunden wie die Cowboys.

die zwei folgenden tage waren unspektakulär und wir zogen große Etappen vor. 20 Kilometer in 7 stunden waren dann aber auch die grenze. erst wieder in tieferen lagen war die Landschaft reizvoll. es gab wieder Orangen und Bananen und Reis. auch eine Thermalquelle, die sich liebevoll um die schmerzenden Waden kümmerte.

die letzten vier tage machten wir uns dann noch mal auf und erklommen erneut 1600 m, um von dort aus auf einen Dreitausender zu steigen und den Sonnenaufgang an den Achtausendern zu erleben. wie langsam die sonne über den Horizont steigt und die Gipfel orange erleuchtet. etwas was mich sehr an die Sonnenfinsternis erinnert hat.

auf diesem Hügel konnte ich dann wenigstens auch noch der nepalesischen Untergrundbewegung "Maoisten" meine 10 Dollar spenden und hoffe nun, dass mich der deutsche Staat nicht aus dem Dienst entläßt. Immerhin haben wir von 14 auf 10 Dollar runtergehandelt, vielleicht kann man das beim Strafmaß berücksichtigen. Aber gegen Wegelagerer ist man bekanntlich immer etwas machtlos.

dann mussten wir die Höhenmeter alle wieder herunter und das über 3300 Naturtreppenstufen.

unterwegs waren dann schon die Vorbereitungen für das Lichterfestival im Gange und man schlachtete Ziegen. mitten in der sonne und der Kopf lag dann immer am Wegesrand, alles klebte mit Blut. mancher wird da bestimmt zum Vegetarier.

zurück vom Trek habe ich nun einiges an Gewicht verloren und dafür aber unheimlich viele eindrücke gesammelt. es war auf jeden fall nicht die letzte reise nach Nepal.

so viele arme aber lachende Menschen zu sehen und so viel landschaftliche Highlights zu erleben, bleibt Schwergewicht in Erinnerung. auch solch einen netten Bergführer gehabt zu haben, machte das reisen natürlich auch einfacher.

wer immer mal eine andere Kultur erfahren will und gerne auch etwas Abenteuer verträgt, dem möchte ich Nepal ans herz legen.

ich hoffe von der Gelassenheit und ruhe so viel wie möglich mitzunehmen und hoffe, dass ich auf meiner weiteren reise immer wieder solchen netten Menschen begegnen kann.

ich hoffe, dass alle die ich unterwegs getroffen habe, wieder gesund zurückkehrt sind und grüße sie mit einem herzlichen namaste.

die letzten tage hier werde ich mich noch einmal dem Lärm und dem Gestank Kathmandus aussetzen und dann verschwinde ich nach Tasmanien.

wo immer ihr steckt, bleibt gesund und genießt das leben.

drückt mir die Daumen für gute freunde unterwegs und dann wird bestimmt alles klappen.

Alles liebe, eure Katrin